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„Manchmal kommt es mir so vor, als sei es eine Firma.“

Im Gespräch mit Stephan Schmidt über die spannende Welt der Rohstoffe

Rund 29 Tonnen Ton – so viel verbraucht ein Mensch im Schnitt in 70 Jahren. Diese ist nur eine von unzähligen, spannenden Informationen, die Stephan Schmidt – Geschäftsführender Gesellschafter der Stephan Schmidt KG – im Rahmen unseres Gesprächs mit uns geteilt hat. Sie wollen wissen, wie sich die jahrzehntelange Zusammenarbeit zwischen Albert Weil und der Stephan Schmidt KG, dem „Ton Schmidt“ wie wir im Westerwald so treffend die Marke assoziieren, gestaltet? Oder an welchem Digitalisierungsprojekt beide Unternehmen gemeinsam arbeiten? Dann sollten Sie dieses Interview unbedingt lesen.

Herr Schmidt, eine Frage vorab: Im Wartebereich steht die sogenannte „Westerwälder Tonkiste“ – was hat es damit auf sich?
Die Kiste haben wir in Zusammenarbeit mit Grundschullehrern und dem Verein „Westerwald Ton e.V.“ entwickelt. Sie beinhaltet viele spannende Fakten rund um die Tonbranche, die wir den Kindern gerne anschaulich näherbringen wollten. Die Lehrer setzen sie im Rahmen des Sachkundeunterrichts ein.
Eine schöne Idee. Als Bauunternehmung haben wir ein Projekt der Erlenbachschule in Elz, die sogenannten Techniktürme, unterstützt, damit sich die Schüler frühzeitig mit dem Thema „Handwerk“ auseinandersetzen. Bis heute dürfen wir uns, als Bauunternehmung, über jährlich rund 40 Auszubildende freuen. Wie gestaltet sich der Bereich bei der Stephan Schmidt KG?
Wir sind sehr aktiv, wenn es darum geht, auf unsere Ausbildungsberufe aufmerksam zu machen. Zu unseren Maßnahmen zählen unter anderem die Teilnahme an Bildungsmessen, das Veröffentlichen von Beiträgen – insbesondere Jobvideos – auf unseren Social Media-Kanälen oder auch die klassische, persönliche Ansprache. Wir würden aber definitiv gerne mehr junge Menschen ausbilden. Vor allem im Bereich des Aufbereitungsmechanikers. Mit dieser Ausbildung hat man in unserer Region einen zukunftssicheren Job, trotzdem ist es schwer, junge Menschen dafür zu begeistern.
Bei Albert Weil arbeiten viele Familien und auch insgesamt ist das Arbeitsklima – trotz unserer Größe – sehr familiär. Aspekte, die die Stephan Schmidt KG teilt. Wie gestaltet sich das Arbeiten in Ihrem Familienunternehmen?
Auch wir pflegen ein sehr familiäres Arbeitsklima und freuen uns darüber, ebenfalls einige Familien in unserem Unternehmen zu beschäftigen. Für uns – und das teilen wir m.E. nach mit Albert Weil – steht der Mitarbeiter an erster Stelle. Wir pflegen beispielsweise verschiedene Arbeitszeitmodelle, um so den Mitarbeitern zu ermöglichen, ihren Arbeitstag mit ihrem Alltag bestmöglich zu kombinieren. Das ist auch für uns als Unternehmen perfekt. Zum einen sind unsere Mitarbeiter „entspannter“ und zum anderen sind wir insgesamt rund 12 Stunden erreichbar. Das ist eine Win-Win-Situation. Aber auch zu vielen unserer Geschäftspartner pflegen wir eine sehr enge und vertraute Zusammenarbeit – darunter die Bauunternehmung Albert Weil AG.
Vielen Dank für die freundlichen Worte. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an der Zusammenarbeit?
Die Geschäftsbeziehung unserer Firmen besteht nun schon jahrzehntelang. Bereits mein Vater, Günter Schmidt, pflegte eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Albert Weil. 2010 bin ich in das Unternehmen eingestiegen und empfinde diese ebenfalls als sehr partnerschaftlich, konstruktiv und sehr zielführend. Früher gab es auch noch andere Dienstleister und heute einen langjährigen Vertrag mit der Bauunternehmung.
Das Schöne ist, dass wir Albert Weil und seine Mitarbeiter schon sehr lange und sehr gut kennen. Die Zusammenarbeit hat schon immer hervorragend funktioniert. Manchmal kommt es mir so vor, als sei es eine Firma. Beispielsweise der Mitarbeiter Uwe Bendel bezeichnet unsere Grube Wimpfsfeld 3 als „seine“ Grube. Und alle AW-Mitarbeiter sind sehr stolz auf die Arbeit. Am Ende geht es nicht um Albert Weil oder Stephan Schmidt, sondern um uns, gemeinsam, in der Grube.
Das freut uns wirklich sehr! Hat sich denn die Arbeit in den letzten Jahrzehnten verändert? Und wenn ja, wie?
Viele Jahre – und dies ist auch heute noch der größte Bereich – hat sich die Arbeit der Bauunternehmung Albert Weil AG auf den Abraum fokussiert. Vor 3 ½ Jahren hat das Unternehmen dann den Einstieg in die Tongewinnung gewagt. Daraus sind verschiedene Projekte entstanden. Auch hier haben wir sehr partnerschaftlich zusammengearbeitet.
Es gibt auch ein neues, gemeinsames Digitalisierungsprojekt. Können bzw. wollen Sie dazu etwas sagen?
Sehr gerne. Es geht dabei um die Erfassung der Tagesberichte. Bisher werden diese manuell über bereitgestellte Papiernachweise eingetragen. Zukünftig sollen die Touren, Stunden und die Mengenerfassungen aber digital erfasst bzw. übergeben werden, was natürlich sehr viel Zeit spart. Aktuell wird das Projekt zunächst AW-intern getestet und dann – gemeinsam mit uns – erstmalig ausgerollt.
Das klingt spannend. Gibt es weitere Zukunftsprojekte der Stephan Schmidt KG?
Wir sind immer wieder bestrebt, die Qualität unserer Produkte zu optimieren. Denn diese ist das A und O. Weiterhin möchten wir Abbauverluste verhindern. Denn Sie müssen sich vorstellen: Wir sprechen von 20-40 Millionen Jahre altem Ton, der natürlich nicht nachwächst. Unser Bestreben ist es, den Ton seiner höchstmöglichen Verwendung zuzuführen. Und dazu suchen wir immer wieder neue Ansätze, um am Ende – und das ist unsere Vision – einen 100-prozentigen Nutzungsgrad zu erreichen. Damit uns dies gelingt, arbeiten wir sehr eng mit verschiedenen Forschungsinstituten, wie zum Beispiel dem Forschungsinstitut für Anorganische Werkstoffe – Glas/Keramik - GmbH in Höhr-Grenzhausen, zusammen und arbeiten auch aktuell an konkreten Projekten.
Um unsere Ziele der 100-prozentigen Nutzung der Lagerstätte zu erreichen, unterstützt uns ebenfalls die Bauunternehmung Albert Weil AG.
Sie forschen auch hier, am Standort in Langendernbach, richtig?
Ja genau, wir investieren schon jahrzehntelang in den Bereich Forschung und Entwicklung. Hier beschäftigen wir uns mit den verschiedensten Zukunftsthemen und diese haben oftmals fünf bis zehn Jahre Vorlauf. Dabei sind die zentralen Fragen: Was benötigt der Markt? Welche Anforderung hat der Kunde und welche bestmögliche Lösung können wir bieten? Die Qualität unserer Produkte hat immer die höchste Priorität – das ist bei Albert Weil sicherlich genauso.
Absolut. Gibt es neben der Produktentwicklung weitere Ziele? Wo sehen Sie die Stephan Schmidt KG in Zukunft?
Der Tonabbau greift naturgemäß in die Landschaft ein. Man muss sich eine Grube als wanderndes Loch vorstellen: Albert Weil nimmt den Abraum weg, und dort, wo der Ton entnommen wurde, wird dieser wieder reingekippt. So schreitet das Loch durch die Landschaft. Es ist uns ein besonders Anliegen, der Umwelt etwas zurückzugeben. Bereits heute werden Bäume nachgepflanzt und Biotope angelegt. Im nächsten Jahr, wenn wir unser 75-jähriges Firmenjubiläum feiern, möchten wir 75.000 Bäume pflanzen.
Was unsere Ressourcen angeht, so sind wir gut aufgestellt. Diese reichen für über 100 Jahre. Wir setzen auf eine langfristige Strategie für unser Familienunternehmen. Dabei spielen die Mitarbeiter eine entscheidende Rolle, aber auch unsere Partner – insbesondere Albert Weil als unser wichtigster Partner.