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„Unsere Mitarbeiter sind und bleiben (…) unersetzbar.“

Stefan Jung-Diefenbach über Zukunftsthemen auf der Baustelle

Stellt man sich eine „typische“ Baustelle vor, so schießen vielen von uns Bilder von großen Geräten, beeindruckenden Erdmassen bzw. Bauten und natürlich einer Kolonne bestehend aus starken, tatkräftigen Männern in den Kopf. Gleichzeitig lesen wir immer wieder von bahnbrechenden Ideen und neuen Anwendungen im Zuge der Digitalisierung. Bleibt die Frage: Wie passt beides zusammen? Oder anders formuliert: Wie sieht die Zukunft auf der Baustelle aus? Wir haben bei Stefan Jung-Diefenbach nachgefragt.

Herr Jung-Diefenbach, wir befinden uns auf der Baustelle in Diez. Hier entsteht aktuell ein neues Betriebsgebäude an der Schaumburger Straße. Auftraggeber ist der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz. Was ist das Besondere an dieser Maßnahme?
Jede Maßnahme ist höchst individuell und hat ihre ganz eigenen Besonderheiten. In diesem Fall ist sicherlich die Logistik ein Thema. Das Baufeld ist verhältnismäßig klein. Daher gibt es besondere organisatorische Ansprüche – insbesondere was die Lagerung oder auch Anlieferung von Materialien bzw. Geräten angeht. So zum Beispiel für die Schalung, Bewehrung oder auch Betonage. Hier gibt es einen hohen Koordinations- sowie Dispositionsaufwand. Weiterhin befindet sich die Baustelle direkt an den Bahngleisen, sodass es für den Hochbaukran Schwenkbereichsbegrenzungen gibt. Unser Team konnte unter der Leitung von Bauleiter Andreas Schmidt und Polier Ralf Haas all diese Herausforderungen aber sehr gut bewältigen.

Und wie genau?
Ein entscheidender Faktor ist natürlich die Erfahrung. Wir haben viele langjährige und kompetente Mitarbeiter, die genau wissen, wie sie mit solchen Themen umgehen müssen. Gleichzeitig ist das Zusammenspiel mit den jüngeren Mitarbeitern interessant, die neue Ideen mitbringen bzw. auf ihre Art an Themen herangehen.

Sie betonen gerade sehr den Wert des Faktors Mensch. Viele Erfindungen, auch in der Baubranche, zielen aber darauf ab, Prozesse zu digitalisieren und so besagten Faktor zu entlasten oder gar zu ersetzen. Was sagen Sie zu dieser Entwicklung? 
An dieser Stelle muss man differenzieren. Es gibt in der Tat einige Entwicklungen, die sehr innovativ und spannend sind. Zum Beispiel das Thema „3D-Druck“ ist höchst interessant. Die Technik wurde bereits auf einigen Messen vorgestellt und ich persönlich finde sie sehr beeindruckend.
Ebenfalls wertvoll sind Digitalisierungsprojekte, die darauf abzielen, den Mitarbeiter zu entlasten. Zum Beispiel durch das automatische Erfassen von Daten, welche zuvor manuell eingegeben wurden. Oder auch GPS-gesteuerte Maschinen, wie z.B. die Raupe. Dass das Gerät automatisiert und vor allem exakt arbeitet, ist schon eine enorme Erleichterung. ABER: All diese Neuerungen können den Faktor Mensch nicht ersetzen. Unsere Mitarbeiter sind und bleiben auf der Baustelle unersetzbar.

Obwohl einige Prozesse bereits heute vollautomatisiert laufen?
Absolut. Und ja, natürlich gibt es diese Prozesse. Aber es gibt mindestens ebenso viele Arbeiten, die nicht vollautomatisiert durchgeführt werden können. Jede Baustelle – und das hatte ich bereits anfangs erwähnt – ist höchst individuell. Das ist auch sicherlich der Unterschied zu vielen Produktionsprozessen, die im Zuge der Digitalisierung optimiert wurden bzw. werden – beispielsweise bei der Herstellung eines bestimmten Produktes. Aber auf der Baustelle ist dieses Vorgehen nur bedingt sinnvoll. Hier kommt es auf die Kolonne an. Es gibt immer situationsabhängige Entscheidungen, die getroffen werden müssen und in diesem Rahmen Faktoren, auf die man oftmals nur bedingt Einfluss hat.  
So zum Beispiel das Wetter. Hier muss man einfach reagieren und oftmals auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Das ist und bleibt Aufgabe des Mitarbeiters.

Wo sehen Sie also die Bauunternehmung in ein paar Jahren?
Wir können heute auf eine über 70-jährige Geschichte zurückblicken. Auch in dieser Zeit hat sich vieles geändert, so z.B. die Maschinen, mit denen unsere Mitarbeiter arbeiten. Was wir uns aber über all die Jahre erhalten konnten – und darauf sind wir sehr stolz – ist unser familiäres Arbeitsklima. Die Mitarbeiter unterstützen sich gegenseitig und teilen ihr Wissen. Durch dieses gelebte Miteinander können wir uns unsere Kompetenz sichern und sind aber auch gleichzeitig offen für Neues. Denn potentielle Entwicklungen haben wir sehr genau im Blick und entscheiden individuell, ob diese für unser Unternehmen relevant sind bzw. ob es der richtige Zeitpunkt ist, sich diesen anzunehmen. So möchten wir die Zukunftsfähigkeit der Bauunternehmung sicherstellen – für die Menschen der jetzigen und auch der nachfolgende(n) Generation(en).