„Auf uns ist Verlass“ – Julia Häuser über Tradition, Nachhaltigkeit und Zukunft bei Eisen-Fischer

Seit über 150 Jahren steht die Eisen-Fischer GmbH & Co. KG für Verlässlichkeit, Qualität und Partnerschaft.
Aber wie geht das Familienunternehmen mit dem Fachkräftemangel um? Wie tief ist man bereits in die KI-Welt eingetaucht? Und wie geht es mit dem Standort Offheim weiter? Hier gibt’s die Antworten.
Frau Häuser, als Social Media-affines Unternehmen: Welche drei Hashtags beschreiben Ihre Unternehmenskultur am besten?
Das Wichtigste bei uns ist der große Hashtag, der über allem steht: #aufunsistverlass. Bereits vor über 150 Jahren in unserer Eröffnungsanzeige haben unsere Gründer gesagt, sie werden bestrebt sein, das uns zuteilwerdende Vertrauen zu wahren. Und das Ganze Thema zieht sich einfach durch unsere Unternehmensgeschichte. Heute gehen wir dazu über, dieses „Auf uns ist Verlass“ herunterzubrechen in #engagiert, #partnerschaftlich, #lösungsstark und verantwortungsvoll – das wären jetzt vier Hashtags. So arbeiten wir, das nehmen wir uns vor. Sowohl miteinander als auch mit unseren Geschäftspartnern.
Sie sind seit 2003 im Unternehmen. Gibt es ein Projekt, das Sie besonders geprägt hat?
Ich bin im Grunde in das Familienunternehmen hineingeboren – ein offizielles Eintrittsdatum gibt es nicht. Viele Projekte begleiten mich seit Jahren, doch besonders im Gedächtnis geblieben ist der Bau unserer neuen Lagerhalle in Offheim, die wir gemeinsam mit Albert Weil realisiert haben. Das war eine große Investition und ein wichtiger Meilenstein. Ebenso spannend sind Standorterweiterungen und Übernahmen – vor allem dann, wenn neue Teams erfolgreich zusammenwachsen. Wachstum ist wichtig, aber es muss sich für alle richtig anfühlen.
Wie wichtig ist der Standort Offheim für Eisen-Fischer?
Offheim ist das logistische Haustechnikherz unseres Unternehmens. Die zentrale Lage und die gute
Verkehrsanbindung ermöglichen es uns, Kunden weit über Limburg hinaus zu beliefern – vom Raum Köln / Bonn bis ins Rhein-Main-Gebiet. Auch unsere Niederlassung in Erfurt ist täglich mit Limburg verbunden.
Und wie innovativ ist der Standort? Und sind weitere Investitionen geplant?
Was die logistische Abwicklung angeht, haben wir in den letzten Jahren viel in moderne und effiziente
Prozesse investiert. Für uns bedeutend ist auch die energetische Versorgung. Wir haben eine recht große Photovoltaikanlage, mit der wir uns im Sommer weitgehend selbst mit Energie versorgen. Daran arbeiten wir auch weiter. Aktuell sanieren wir unsere Badausstellung – energetisch sowie optisch – und schaffen damit ein modernes, nachhaltiges Kundenerlebnis. Ende des Jahres wird die neue Ausstellung eröffnet. Was die Fläche angeht, haben wir keinen großen Spielraum mehr. Aber mit dem, was vorhanden ist, entwickeln wir uns weiter.
Für uns als Bauunternehmung ist der Bereich Eisen & Stahl besonders wichtig. Wir nehmen im Schnitt 1.000 Tonnen Bewehrungsstahl pro Jahr ab. In Hinblick auf Trends: Welche Trends gibt es in dieser Sparte?
Der Megatrend, auf den wir warten ist, dass wir einfach auf dem Markt noch mehr Bewehrungsstahl verbauen können – in die maroden Brücken- und Straßenbauprojekte, auf die wir uns jetzt alle freuen, die angekündigt wurden. Die Herausforderung der Zukunft ist sicherlich, wie wir noch effizienter werden. Der Bewehrungsstahl kommt sehr individuell auf die Baustelle, nachdem wir ihn mit unseren Maschinen bearbeitet haben. Hier gilt es, die Prozesse noch verzahnter darzustellen. Da können wir bestimmt in Zukunft, insbesondere mithilfe der Maschinenhersteller, weiter nach vorne kommen.
Stichwort „CO2 reduzierte Produkte“ gibt es da auch gezielte Nachfragen bei ihnen im Unternehmen?
Das ist bislang noch ein Randthema. Oftmals wird vergessen, dass Bewehrungsstahl recycelbar ist. Ich finde, der Ruf ist schlechter, als er eigentlich ist. Wenn wir es geschickt darstellen, geht er uns nicht im Kreislauf verloren. Die Umrüstung von Stahlwerken ist komplex, aber langfristig wird sich hier viel bewegen.
Wie definieren Sie Nachhaltigkeit im Unternehmen?
Für uns bedeutet Nachhaltigkeit Langlebigkeit – bei Produkten, Partnerschaften und Beziehungen. Wir setzen auf regionale Lieferanten, kurze Wege und stabile Kooperationen. Natürlich spielt auch das Thema CO₂- Reduktion eine Rolle, besonders beim Stahl.
Stichwort „Digitalisierung“: Wie tief ist Eisen-Fischer in die digitale Welt eingetaucht?
Wir sind so digital aufgestellt, wie es uns möglich ist – weil wir darin eine große Effizienz für unsere Kunden, für unsere Lieferanten und auch für uns sehen. Es gibt nicht „die eine“ Digitalisierung – sie ist sehr individuell. Auf Lieferantenseite hängt es stark davon ab, was der Lieferant tatsächlich anbietet – wie stark man sich vernetzt. Und es gibt bereits tolle Partnerschaften, die schon sehr eng sind. Kundenseitig haben wir einen B2B Online-Shop, den wir ständig verbessern. Auch dort vernetzen wir uns stark mit unseren Kunden. Denn wir sehen es schon als unsere Aufgabe an die Prozesse effizienter zu gestalten. Das bringt uns allen etwas. Wir digitalisieren mit Sinn und Verstand. Anfang des Jahres haben wir unsere Warenwirtschaft auf eine neue Plattform gehoben – eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte. Wichtig ist: Wenn auf unseren LKW „Auf uns ist Verlass“ steht, dann muss das auch für unsere digitalen Prozesse gelten.
Auch das Thema Künstliche Intelligenz beschäftigt viele Unternehmen. Wie gehen Sie damit um?
Wir beobachten die Entwicklungen aufmerksam und testen kleine Automatisierungstools. KI ist für mich keine Bedrohung, sondern eine Weiterentwicklung – vergleichbar mit dem Taschenrechner in der Mathematik. Sie soll Mitarbeitende entlasten und unterstützen, nicht ersetzen. Alles, was Routinearbeit abnimmt und Freiräume für Kreativität schafft, begrüßen wir.
Auch der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Wie gelingt es Ihnen, junge Menschen für Eisen-
Fischer zu begeistern?
Wir versuchen, mit den jungen Menschen in den Austausch zu kommen, arbeiten eng mit Schulen zusammen, besuchen Messen und binden unsere Auszubildenden aktiv in die Nachwuchsgewinnung ein. Ich glaube, es wird zunehmend wichtig sein, in der Berufsorientierung noch offener zu sein. Deshalb ist einer der wichtigsten Punkte für mich das Praktikum. Ich könnte mir vorstellen, dass ein großer Trend in
der Jugend tatsächlich ist, dass man mehr Sicherheit möchte. Ein besonderes Erlebnis war unser Azubi-Workshop in Erfurt – mit Werksbesichtigung, Austausch und vielen frischen Ideen. Es ist schön zu sehen, wie engagiert die jungen Menschen sind, wenn man ihnen Raum zur Entwicklung gibt.
Was hat sich in den letzten Jahren im Bereich Ausbildung am meisten verändert?
Die Vielfalt ist größer geworden – und damit auch die Vorstellungen darüber, was Ausbildung ist. Zum Teil sind Jugendliche weniger gut darauf vorbereitet, mit Mitarbeitenden im Team zu arbeiten. Ich glaube, das liegt daran, dass altersgerechte Angebote in der Jugend bzw. Kindheit gemacht werden und man weniger
generationenübergreifend arbeitet. Aber Handel ist Wandel und deshalb werden wir, wie ich finde, auch mit diesem Thema ganz gut fertig. Besonders viel Freude bereitet mir, wenn Menschen bei uns bleiben und dann Verantwortung übernehmen.
Wenn Sie in fünf Jahren eine Schlagzeile über Eisen Fischer lesen dürften – wie würde sie lauten?
„Eisen Fischer: Ein Familienunternehmen mit zufriedenen Kunden und Mitarbeitenden – seit über 150 Jahren. Auf uns ist Verlass.“ Das wäre meine absolute Wunschschlagzeile.
Über die Eisen-Fischer GmbH & Co. KG
Seit 150 Jahren ist auf sie Verlass: Als mittelständischer Großhändler beliefert Eisen-Fischer Handwerker, Industrie, weiterverarbeitende Fachleute und die Bauwirtschaft mit qualitativ hochwertigen Produkten. Das Sortiment umfasst die Bereiche Eisen & Stahl, Sanitär, Energie & Wärme sowie
Werkzeuge & Bauelemente. Das Familienunternehmen beschäftigt rund 400 Mitarbeitende. Die Standorte reichen von Limburg bis Brühl.

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