Zukunftsprojekt: Der digitale Bauhof

Ein Bauhof, der mitdenkt. Geräte, die miteinander sprechen. Und Prozesse, die nahtlos ineinandergreifen.
Was vor fünf Jahren mit einem digitalen Urlaubsprogramm und einem Bestelltool begann, ist heute eine
Vision mit vielen Bausteinen: der digitale Bauhof der Bauunternehmung Albert Weil AG.
Die Idee ist einfach, aber groß: alle Systeme miteinander vernetzen – vom digitalen Fahrtenbuch bis zur automatisierten Geräteortung. „Wir hatten vor ein paar Jahren noch 15.000 Zettel pro Jahr, allein für die
Fahrtenbücher“, erinnert sich Vorstandsmitglied Stefan Hopmann. „Heute läuft vieles digital – schnell, sauber, nachvollziehbar.“
Die digitale AW-WELT beinhaltet viele Elemente – darunter die digitale Stundenerfassung, UVV- und Werkstattdokumentationen, interne Plattformen wie unsere AW-AppWelt inklusive Intranet und nun als größter Baustein: das digitale AW-Fleettracking. Was auf den ersten Blick wie Science-Fiction klingt, ist längst Realität: Auf dem Bauhof wurden bisher 34 sogenannte Gateways installiert, weitere 18 sind in Planung, um eine genauere Erfassung auf dem Bauhof zu erzielen. Insgesamt sind 4000 Beacons geplant, sowie über 300 GPS-Tracker für PKW, LKW und Baumaschinen. Sie ermöglichen ein passives Ortungssystem, das völlig ohne manuelle Eingaben unserer Geräte und Materialien erfasst. „Der Faktor Mensch wird aus dem Prozess des Datensammelns komplett herausgenommen“, erklärt Bauhofleiter Christoph Stahl. „Keiner muss etwas scannen oder eintippen – die Geräte melden sich automatisch.“ Das System erkennt, wo sich beispielsweise unsere Schalungselemente befinden, und überträgt die Daten an die AW-AppWelt.
Auf den Baustellen sammeln unsere LKWs und Fahrzeuge die Daten und leiten sie in Echtzeit an das System weiter. So entsteht eine neue Transparenz: Ob Schalung, Container oder Kleingerät – der Standort ist jederzeit bekannt. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Kosten. Und es reduziert die Fehlerquellen, die bei manueller Erfassung unvermeidbar sind.
Aktuell sind bereits rund 2.100 Beacons in verschiedenen Ausführungen an diversen Material- und Gerätegruppen verbaut worden. Auch die Baumaschinen sollen künftig Teil des Systems werden, und nicht nur den Standort, sondern auch die Betriebsstunden übermitteln. Der Weg dahin ist ein kontinuierlicher Prozess. Angefangen mit ersten digitalen Tools, ist über die Jahre eine eigene digitale Infrastruktur entstanden – maßgeschneidert auf die Bedürfnisse des Unternehmens. „Wir hätten fertige Programme kaufen können“, sagt Stefan Hopmann, „aber wir wollten etwas, das genau zu unseren Abläufen passt. Das ist unser großer Vorteil: Wir sind schnell, flexibel, unabhängig und dabei zu 100 % autark sowie individualisiert.“
Diese Eigenentwicklung hat sich ausgezahlt. Heute greifen Werkstatt, Disposition und Baustellen digital ineinander. Neue Module – wie die automatische Buchung von Schalung auf Baustellen oder die digitale Abrechnung ohne Lieferscheine – sind bereits in Planung. Fördermittel des Bundes unterstützen die Investition in Hardware, Software und Montage. Parallel arbeitet das IT-Team daran, die AW AppWelt
als eigenständige iOS-App weiterzuentwickeln. Damit wird es künftig möglich, Bluetooth-Funktionen besser zu nutzen – etwa, wenn Poliere oder Facharbeiter als mobile Datensammler über die Baustelle gehen.
Der digitale Bauhof ist kein fertiges Produkt, sondern eine stetig wachsende Welt – ein System, das sich an den Menschen anpasst, nicht umgekehrt. Er steht für den Mut, Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.



